Weihnachten in aller Welt

Weihnachten in den skandinavischen Ländern

Wer Weihnachten mit Schnee und Kälte in Verbindung bringt, sollte vielleicht das Weihnachtsfest in den skandinavischen Ländern feiern.

Die skandinavischen Länder sind für viele der Inbegriff der Weihnachtszeit. Schnee und Rentiere sind schließlich für fast jeden eng mit dem Weihnachtsfest verbunden. Und was gibt es Schöneres, als nach einem Tag im Schnee nach Hause zu kommen, wo im Kamin ein Feuer brennt und der Weihnachtsbaum mit echten Kerzen ein anheimelndes Licht verbreitet? Sicherlich hat jeder in seiner Kindheit die Filme von Pipi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga gesehen, in denen das Weihnachtsfest immer ganz besonders romantisch war. Aber wie sieht Weihnachten in Nordeuropa eigentlich wirklich aus?
Auf der skandinavischen Halbinsel liegen Norwegen und Schweden, doch auch Finnland, Dänemark, Island, Faröer und Grönland werden aus historischen oder kulturellen Gründen mit zum skandinavischen Raum gezählt. Auch das Baltikum und Teile Russlands werden in diesen Begriff teilweise noch mit einbezogen.
Vielleicht wussten Sie schon, dass Weihnachten auf dem 25. Dezember liegt, weil man den damals noch heidnischen Völkern es so erleichtern wollte, das Fest zu akzeptieren. Die am 21. Dezember stattfindende Sonnenwende, eines der wichtigsten Feste vieler heidnischer Völker, wurde einfach um ein paar Tage verlegt und „Weihnachten“ genannt. Auch Ostern und andere kirchliche Feiertage hat man nach diesem Prinzip angelegt, außerdem wurden teilweise heidnische Traditionen in christliche Feste übernommen; so fiel die Umstellung leichter.
Der Ursprung skandinavischer Weihnachten: Der Julbock
Besonders auffällig sind die heidnischen Spuren in Nordeuropa, also in Skandinavien. Früher brachte hier der Julbock die Geschenke. Der Sage nach handelt es sich dabei um ein dämonisches Tier, nur ein bisschen größer als eine normale Ziege. Die Sommermonate verbringt der Julbock tief versteckt in den Wäldern. Erst in der Adventszeit beginnt er damit, den Höfen der Menschen näher zu kommen. An Heiligabend ist er dann bis in die Häuser vorgedrungen. Seltsame Lichterscheinungen wie Polarlichter begleiten die Ankunft des Julbocks, der es sich wie ein Hausgeist hinter dem Ofen im Haus gemütlich macht. Der Julbock war dafür bekannt, dass er sehr böse auf Nachahmungen durch Menschen reagierte. Wenn er nicht durch Opfer wohlgesonnen gestimmt wurde, soll er sich kleine Kinder geholt haben. Obwohl der Julbock also eigentlich ein böses und furchterregendes Wesen war, galt er gleichzeitig als Symbol der Fruchtbarkeit und hatte damit auch eine positive Assoziation.
Diese positive Betrachtungsweise rührt vermutlich von den indogermanischen Göttern her. Auch hier galt der Ziegenbock als Verkörperung der Fruchtbarkeit. Das glaubte man schon in der Bronzezeit, also vor mehreren tausend Jahren. Meistens war der Ziegenbock das Begleittier einer Muttergöttin, beispielsweise der römischen Göttin Juno. Auch der germanische Gott Thor soll sich hin und wieder in einen Ziegenbock verwandelt haben, um auf diese Weise getarnt die Menschen zu besuchen. Sein Wagen wurde außerdem von Ziegenböcken gezogen. Man nannte ihn deshalb auch Herr der Böcke. Da er ein derart göttliches Wesen war, war man der Überzeugung, dass der Ziegenbock nach seiner Tötung wieder auferstand. Ziegen, die durch einen Blitz getötet wurden, galten als Opfer des Gottes Thor und wurden nicht angerührt.
Es gab ursprünglich zahlreiche weihnachtliche Traditionen rund um den Julbock. So verkleideten sich in der Weihnachtszeit junge Männer als Julböcke, um andere Menschen zu erschrecken und allerlei Streiche zu spielen. Mädchen, die dem Julbock als erste begegneten, sollten bald heiraten. In vielen Regionen wurde er dann mit einem Geschenk oder einer kleinen Leckerei besänftigt. Im Süden Schwedens musste er erst symbolisch erschlagen und dann durch ein Lied wiedererweckt werden. In anderen Regionen zogen Kinder von Hof zu Hof, um dort Lieder zu singen und Schauspiele vorzutragen. Ein Kind aus der Gruppe war dabei traditionell als Julbock verkleidet. Zum Dank für ihre Arbeit wurden die Kinder dann zu Essen und Trinken eingeladen. Eine sehr lustige Sitte herrschte auch auf dem Land vor: Dort bastelte man einen Julbock und versteckte ihn heimlich auf dem Hof des Nachbarn. Der musste das Tier nun möglichst schnell finden und ungesehen zum Urheber zurückbringen. In manchen Regionen warf man das aus Stroh geflochtene Tier auch in eine Gruppe tanzender Menschen. Wer den Bock fing, dem versprach das neue Jahr besonders viel Glück. Manchmal wurde der Bock auch unter den Tisch gestellt und mit Julbord, dem Weihnachtsessen, gefüttert.
Mit der Christianisierung erhielt der Ziegenbock eine deutliche Verbindung zum Teufel, der stellvertretend auch für die heidnischen Götter stand. Dennoch konnte er sich im skandinavischen Raum bis heute behaupten. Ist es nicht irgendwie makaber, dass der Julbock als teuflisches Tier ausgerechnet zur Geburt Christi in die Häuser kommt und Geschenke verteilt? Möglicherweise haben christliche Mönche den Julbock absichtlich als eine Art Knecht Ruprecht überleben lassen, da er sich einfach nicht ausrotten ließ.
Fakt ist: Der Julbock war bis ins 19. Jahrhundert hinein DAS weihnachtliche Tier in Skandinavien. Erst um 1950 gelang es dem Weihnachtsmann, den Julbock als Geschenkebringer zu vertreiben. Heute ist er nur noch schmückendes Accessoire am Weihnachtsbaum oder auf der Fensterbank. Im schwedischen Gävle wird er jedes Jahr aus 3,5 Tonnen Stroh auf dem Marktplatz gebaut.
So feiert man heute in Skandinavien Weihnachten
Zwar werden in Nordeuropa auch an Heiligabend die Geschenke gebracht, das wichtigste Fest ist allerdings das Fest der Heiligen Lucia. Es findet am 13. Dezember statt. Bis 1752 fiel das Fest der Wintersonnenwende auf diesen Tag, was die deutliche Verbindung zwischen christlicher und heidnischer Feierlichkeit zeigt. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich zuerst in ländlichen Regionen das Luciafest. Sein wichtigstes Element sind die weißen Gewänder, die jedermann trug. Erst zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete es sich dann auch in andere, skandinavische Regionen. Junge Mädchen tragen beim Luciafest noch heute weite Kleider und haben Kerzen in der Hand. Sie singen Lieder, wählen eine örtliche Lucia und verteilen Lussekatter genanntes Safrangebäck. In Familien ist es normalerweise das älteste Mädchen, das die Lucia spielt. Sie trägt ein rotes Band um die Taille und einen leuchtenden Kranz auf dem Kopf.
Interessanterweise ist es nicht belegt, ob das Luciafest wirklich zu Ehren der Heiligen Lucia gefeiert wird, oder ob es sich dabei nach wie vor mehr um eine getarnte Sonnwendfeier handelt.
Am Heiligen Abend kommt die ganze Familie zusammen, um das Julbord zu genießen. Eine traditionelle Speise ist der Weihnachtsschinken. Auch Knäcke, Schokolade, Nüsse und verschiedene Früchte werden beim Julbord traditionell gegessen. Eine besondere Spezialität ist der Glögg, ein mit Mandeln und Beeren gewürzter Glühwein. In Norwegen besteht das traditionelle Weihnachtsessen aus Rippchen vom Lamm oder Schwein, Kartoffeln, Sauerkraut und Steckrüben. Von den Faröer-Inseln kommen Spezialitäten wie Pfeffernüsse und Spekulatius. Hier ist der wichtigste Teil des Weihnachtsessens ein Milchreis mit einer Mandel darin. Diese Tradition findet sich in Dänemark in der Weihnachtsgrütze wieder: Wer die Mandel findet, erhält ein besonderes Geschenk.
In vielen skandinavischen Ländern wird der der Weihnachtstag damit verbracht, gemeinsam vor dem Fernseher zu sitzen und sich Weihnachtssendungen anzusehen. Erst mit der Dämmerung wird der in der Julestudd stehende Weihnachtsbaum zum Leuchten gebracht. Er ist nicht nur mit Christbaumkugeln geschmückt, sondern sehr oft auch mit aus Stroh geflochtenen Julböcken, Herzen und Sternen. Bevor die Geschenke ausgepackt werden, versammelt sich die ganze Familie am Esstisch. Nach der Bescherung ist es in vielen Familien dann üblich, gemeinsam um den Weihnachtsbaum herum zu tanzen.

Am Ersten Weihnachtstag gehen die Skandinavier morgens in die Kirche. Der restliche Tag wird eher ruhig verbracht, in Schweden ist er sogar der letzte festliche Teil Weihnachtens. In den anderen Ländern nutzt man vor allem den Zweiten Weihnachtstag, um Freunde und Verwandte zu besuchen. In vielen Regionen finden auch Tanzabende statt und viele Diskotheken haben geöffnet. Es geht also wesentlich weniger besinnlich zu, als zum Beispiel in Deutschland.

Weihnachten in Skandinavien wurde am 2013-08-23 veröffentlicht und zuletzt geändert am 2013-08-24.
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